Zukunft der Versicherungen: Praxistag im ÖVB-Versicherungsbüro

Mit Dietmar Langscheid und Michél Baier erläutern typische Schadensfälle.

Praxistage bieten die Möglichkeit, die Tätigkeiten, die den Arbeitsalltag ganz besonders prägen, in den Blick zu nehmen. Ich bin der Einladung von Dietmar Langscheid in die Bremer Überseestadt gefolgt, um mit ihm gemeinsam den Alltag im ÖVB-Versicherungsbüro zu erleben.

Gemeinsam mit Michael Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute e.V. und Präsident des Bundesverbands der Dienstleistungswirtschaft habe ich einen Blick auf den Geschäftsalltag geworfen. Dieser dreht sich besonders um die persönliche Beratung der Kundinnen und Kunden und deren Fragen zu Produkten und laufenden Verträgen. Eine Produktgruppe sticht dabei besonders hervor. Das verbreitetste Finanzprodukt ist die Versicherung zur Altersvorsorge.
 

Netter Empfang im Büro.

Die Anzahl dieser Verträge schrumpfte in den vergangenen Jahren deutlich. Waren es 2016 noch etwa 85 Millionen Verträge allein bei Lebensversicherungen, so sank die Zahl 2017 um rund ein Prozent auf rund 84,1 Millionen Verträge, wie aus der Statistik „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2017“ hervorgeht. 2015 waren es noch 86,7 Millionen Policen gewesen. Besonders betroffen: Die klassische Lebensversicherung. Die Profitabilität dieser Produktgruppe nimmt sowohl für Anbieter, als auch für Verbraucherinnen und Verbraucher ab.

Gemachte Versprechen der Branche gegenüber den Versicherten müssen eingehalten werden. Mit Blick auf den unter Druck geratenen Markt für Lebensversicherungen hat die Bundesregierung 2015 das Lebensversicherungsreformgesetz verabschiedet und erste Verbesserungen am Markt erreichen können. Eine Maßnahme von vielen war es dabei, den Kostendruck auf die Versicherungsunternehmen zu erhöhen, damit sie die Vergütungen für den Versicherungsvertrieb senken.

Dietmar Langscheid und sein Team gewähren mir Einblicke ins Tagesgeschäft.

Diese Maßnahme wollen wir nun verschärfen: das SPD-geführte Bundesfinanzministerium hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der eine Deckelung der Abschlussprovision von Lebensversicherungen und von Restschuldversicherungen zum Ziel hat. Abschlussprovisionen umfassen sämtliche Vergütungen an Versicherungsvermittler im Zusammenhang mit dem Vertragsabschluss, auch verzögerte Zahlungen.
Für die Deckelung der Abschlussprovisionen beim Vertrieb von Lebensversicherungen ist ein Korridor von 2,5 Prozent bis 4 Prozent  der Bruttobeitragssumme vorgesehen. Die Bruttobeitragssumme ist als Summe der zu zahlenden Prämien für maximal 35 Jahre definiert. Wenn Vermittler eine hochwertige Beratung messbar nachweisen können, dann dürfen sie ihre Provisionen also anheben. Angesichts immer niedrigerer Renditen für Verbraucherinnen und Verbraucher halte ich es für angemessen, den Druck auf der Kostenseite zu erhöhen. Dabei ist diese Stellschraube nicht das Allheilmittel für die Produktgruppe der Lebensversicherungen. Die Provisionsdeckelung ist aber geeignet, einen Teil zur Verbesserung der Lage beizutragen. Das Vorhaben droht jedoch ins Stocken zu geraten, da sich die Branche vehement gegen eine Begrenzung der Vergütungen sperrt und mit ihren Argumenten erfolgreich bei der Union lobbyiert hat. Der Koalitionspartner hat sich im Bereich der privaten Altersvorsorge an dieser Stelle klar auf die Seite der großen Unternehmen gestellt und lässt die Verbraucherinnen und Verbraucher im Stich, indem er das Vorhaben blockiert.
 

Das Team im ÖVB-Versicherungsbüro: Stefano Curione, Michael H. Heinz, Sarah Ryglewski, Dietmar Langscheid, Michél Baier und Ricardo Linnekuhle (v.l.)

Für Restschuldversicherungen gilt, dass die Abschlussprovision nicht mehr als 2,5 Prozent der versicherten Vertragssumme/ Darlehenssumme betragen darf. Bei diesen Produkten hat sich zu oft gezeigt, dass es sich um ein reines Kopplungsgeschäft zu Lasten der Verbraucherinnen und Verbraucher handelt. Hier werden also bewusst hohe Provisionen genommen, um weniger profitable Geschäftsbereiche unternehmensintern zu kompensieren. Das wollen wir nicht weiter zulassen und regulieren daher diesen Bereich. Hierbei geht es auch um das Selbstverständnis einer ganzen Branche: Mit Versicherungen wollen Verbraucherinnen und Verbraucher Risiken absichern. Sie müssen in ihrer Kostenstruktur klar und transparent sein. Die Anbieter geben ihren Kundinnen und Kunden das Versprechen, sie würden vom Vertragsabschluss langfristig profitieren. Fragt man die Verbraucher allerdings, wie zufrieden sie mit ihrem Produkt sind, insbesondere wenn sich die Auszahlungsphase bspw. bei Lebensversicherungen nähert, stellt sich dagegen oft Ernüchterung ein. Die Produkte sind regelmäßig unprofitabel und schwer zu durchschauen. Hier gibt es noch einiges zu tun in einer Branche, die mehr als andere vom Vertrauen in die Anbieter lebt. Beispielhaft für eine eher problemarme Produktgruppe stehen etwa Sachversicherungen (z.B. die Hausratversicherung). Sie sind für viele Menschen einfach zu verstehen und die Schadensregulierung verläuft zumeist problemlos und schnell. Dabei ist der dahinterstehende Arbeitsaufwand groß und Versicherungen betreiben für eine positive Serviceerfahrung einigen Aufwand.

Vielen Dank an Dietmar Langscheid und sein Team für die Einladung zum Praxistag und die Einblicke ins Tagesgeschäft. Ich werde mit ihm und seinen Angestellten in Kontakt bleiben.

28.08.2019