Vortrag bei EU-Expertengruppe zum finanziellen Verbraucherschutz

Für wirksamen Verbraucherschutz müssen die Finanzmärkte europäisch reguliert werden. Auf dem gemeinsamen Finanzmarkt sollen Verbraucher und Kleinanleger in jedem Land möglichst den gleichen Schutz genießen. In dieser Woche habe ich mich mit Experten aus verschiedenen EU-Staaten getroffen, um mit ihnen die aktuellen politischen Entwicklungen im finanziellen Verbraucherschutz in Deutschland zu diskutieren. 

Die „Financial Services User Group“ berät die EU-Kommission in Fragen des Verbraucher- und Kleinanlegerschutzes. Sie setzt sich aus 20 Anlegerschützern, Verbraucherschützern und Wissenschaftlern aus ganz Europa zusammen. Anlässlich ihres Treffens in Berlin wurde ich eingeladen, meine Sicht auf die aktuelle politische Debatte in Deutschland darzustellen. In meinem Vortrag habe ich drei Themen herausgegriffen, die in meinen Augen zurzeit besonders wichtig sind: das Niedrigzinsumfeld, die Renten-Debatte und die Digitalisierung der Finanzwirtschaft. 

Die niedrigen Zinsen treffen die Mittelschicht am härtesten. Das Geld liegt meistens in Lebensversicherungen oder auf dem Bankkonto, wo die Renditen zurzeit niedrig sind. Das sieht bei Aktien zwar anders aus: Doch wer fürs Alter vorsorgt und nichts zu verschenken hat, wird sich vor dem Risiko hoher Kursverluste hüten. Wer vermögend ist, der kann dagegen von den steigenden Aktienwerten profitieren. So führen die dauerhaft niedrigen Zinsen zu einer größeren Ungleichheit. Zusätzlich unterstreichen sie, wie wichtig guter Kleinanlegerschutz ist. In Zeiten niedriger Renditen wirken zweifelhafte Kapitalanlagen, die hohe Zinsen bei geringem Risiko versprechen, umso anziehender. Deshalb ist die Finanzaufsicht besonders gefragt.

Die Renten-Debatte in Deutschland hängt eng mit den niedrigen Renditen zusammen. Denn Riester-Produkte bleiben hinter ihren Erwartungen zurück. Die hohen Erträge, die bei der Einführung versprochen wurden, sind nicht eingetreten. Hohe Vertriebs- und Verwaltungskosten leisten dazu ihren Beitrag. Die Debatte zeigte, dass diese Probleme in der privaten Altersvorsorge in Europa weit verbreitet sind. Transparente Provisionen und mehr Honorarberatung sind die europäischen Antworten, die wir auch in Deutschland mit der zweiten Finanzmarktnovelle umsetzen werden.

Die Digitalisierung im Finanzbereich birgt große Chancen. Online-Banking spart einem den Gang zur Bank, Online-Tools finden die passende Vermögensanlage und Apps erlauben das Bezahlen via Handy. Hier gibt es noch großes Potenzial, den Alltag leichter zu machen. Andererseits stehen wir auch vor Fragen: Wie stellen wir sicher, dass die Daten sicher vor Hackerangriffen sind? Woher wissen wir, dass die Unternehmen kein Schindluder mit den persönlichen Informationen der Nutzer treiben – gerade wo es ums Geld geht? Und was passiert, wenn etwas schief läuft, wer haftet am Ende? Auch diese Fragen wurden zunächst europäisch durch die Reform der Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) beantwortet. Wir werden die neuen Regeln in den nächsten anderthalb Jahren umsetzen und damit den finanziellen Verbraucherschutz für die digitale Welt fit machen.