Stadtteiltag Obervieland

Ein hervorragendes Netzwerk verbindet Einrichtungen sowie Bürgerinnen und Bürger in Obervieland: Beim Stadtteiltag besuchte ich die Grundschule an der Stichnathstraße, das Kinder- und Familienzentrum Wischmannstraße, den AKTIV Treff, die Bremer Heimstiftung und den AWO Jugendclub.
 

In der Grundschule an der Stichnathstraße geht es um das Miteinander: Wenn Kita und Schule gut verzahnt sind, profitieren die Kinder von einem sanften Übergang aus der Kita-Gruppe auf die Schulbank, meint Direktor Carsten Dohrmann. Welche pädagogischen Ziele hierzulande bestehen, ist den Eltern aufgrund kultureller Unterschiede manchmal nicht klar. Viele Schüler kommen aus sozial benachteiligten Haushalten oder haben einen Fluchthintergrund. Problematisch bewertet Dohrmann, dass es immer weniger Förderstunden für Schüler gibt. Seine Beobachtung: Schüler mit Fluchterfahrung können häufig kaum schreiben und rechnen, ein sechsmonatiger Integrationskurs reicht nicht aus, um diese Kinder auf das hiesige System vorzubereiten. Doch auch der Nachwuchs aus Kattenturm bringt nicht immer die nötigen Deutschkenntnisse mit. Eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen Kita und Schule sei wichtig, um kreative Ideen für eine Familienhilfe zu entwickeln. An einer tüftelt die Quartiersmanagerin Sandra Ahlers gemeinsam mit Partnern aus den umliegenden Bildungseinrichtungen wie dem Gesundheitsamt, Kita Bremen, Arbeitnehmerkammer, Lokalpolitikern und dem Ortsamt. Das Ziel lautet: Armutsrisiko senken, Bildungschancen erhöhen. Beratungen zu Erziehung, Integration und Sprache für Groß und Klein soll es bald im Lernhaus geben. Der Ansatz, Integration und Armutsbekämpfung weiträumig zu denken ist effektiv und richtig. Es sollte nicht nur punktuelle Bestrebungen geben, sondern Konzepte von der Frühförderung bis zur Ausbildung für Bedürftige und Geflüchtete.
 

Reges Treiben herrscht auf dem Gelände des Kinder- und Familienzentrums Wischmannstraße, das von Andrea Meier und ihrer Stellvertreterin Anke Vogel geleitet wird. Bis zu 160 Mädchen und Jungen besuchen die Kita und den Hort. „Wir profitieren von den Angeboten und der Früh- sowie Spätbetreuung und wünschen uns, das es so bleibt“, erzählt eine Mutter. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist mir ein wichtiges Anliegen, flexible Betreuungsangebote helfen, den Druck bei Eltern abzubauen.  In direkter Nachbarschaft zum Kinder- und Familienzentrum führt Sigrid Strauss-Magura das Spielhaus. Morgens tauschen sich Mütter dort aus, nachmittags nutzen Sechs- bis Dreizehnjährige Roller, Rad und Klettergerüst. Die Pädagogin erfüllt seit mehr als zwei Jahrzehnten eine verantwortungsvolle Aufgabe im Ortsteil, der als sozial benachteiligt gilt. Beschäftigung und Integrationsarbeit bietet sie offen, für alle und gratis an.
 

Sara Dahnkens Engagement ist es zu verdanken, dass der AKTIV Treff von 12 auf 120 Quadratmeter gewachsen ist und der Erdbeerpflückerplatz in frischen Farben erstrahlt. Vor vier Jahren entschied die Projektkoordinatorin für Familienhilfe den Kindern auf dem damals noch grauen Betonplatz Beschäftigung anzubieten. Gemeinsam mit einer Künstlerin gestaltete die Gruppe das Areal neu, die Brebau baute die Räume im Nachbargebäude aus und schuf damit einen Quartierstreffpunkt. Familien, Senioren und Kinder mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen gründen Beratungs-AGs, Tanzkurse und Hausaufgabenhilfe. Problematisch ist, dass der Standort an der Martin-Buber-Straße nicht als Fördergebiet des Programms „Soziale Stadt“ ausgewiesen ist, obwohl die Besucher aus sozial benachteiligten Gebieten kommen.
 

Ein Ort der Vernetzung ist das Stadtteilhaus Kattenturm. Unter dem Dach der Bremer Heimstiftung laufen dort viele Fäden zusammen: Menschen mit und ohne Handicap, Jugendliche und Senioren verbringen Freizeit miteinander. Ob beim Mittagessen oder zum Klönschnack, die Hausleiterin Birgit Riekens-Avci und Marco Bianchi vom Martinsclub freuen sich über geschlossene Freundschaften. Im Stadtteilhaus verknüpfen sich viele positive Ansätze, die dank intelligenter Netzwerkarbeit entstanden sind – es ist ein sehr gutes Beispiel für gelebte Inklusion. Älteren wird die Möglichkeit gegeben, ohne Angst vor Vereinsamung im heimischen Quartier wohnen zu bleiben. Zudem ist die Einrichtung an der Theodor-Billroth-Straße Anlaufpunkt für Bürgerinnen und Bürger, denn auch das Quartiersmanagement Kattenturm und Arsten-Nord unter der Leitung von Sandra Ahlers hat dort ein Büro.
 

Meine letzte Station ist der AWO-Jugendclub, wo mich Einrichtungsleiter Nico Bleck durch die Räumlichkeiten des Treffpunkts führte.