Stadtteiltag in Borgfeld und Oberneuland

Beim Stadtteiltag in Borgfeld und Oberneuland führte ich Gespräche in den Ortsämtern, Jugendeinrichtungen, der Tobias-Schule, der Bremer Heimstiftung, mit Engagierten vom „Runden Tisch Flüchtlinge“ in Borgfeld und dem Vorsitzenden des Imkervereins Bremen. Letzter Programmpunkt war die Mitgliederversammlung mit Ortsvereinen aus dem Bremer Nordosten.

Die Tobias-Schule ist inmitten einer Grünanlage in Oberneuland nicht nur schön gelegen, sondern auch ein wunderbarer Ort zum Lernen. 125 Schülerinnen und Schüler besuchen die staatlich genehmigte Heilpädagogische Waldorfschule. Doch die alten Gebäude bergen auch Probleme: Schulleiter Dieter von Glahn erklärt, das denkmalgeschützte Haus verschlinge viel Geld. Die schöne Anlage hat eine schlechten Verkehrsanbindung und Schülerinnen sowie Schüler mit Fluchthintergrund stellen auch die privat geführte Bildungseinrichtung vor Herausforderungen. Zudem gibt es immer wieder Anfragen von Eltern aus Niedersachsen, die ihr Kind auf die Tobias-Schule schicken möchten. Für diese erhält die Privatschule aber keine Zuschüsse aus Niedersachsen.
 

Im Ortsamt Oberneuland erläutert mir der ehrenamtliche Ortsamtsleiter Jens Knudtsen, dass der Stadtteil schon lange auf eine Ganztagsschule und Straßensanierungen warte, Kontaktpolizisten fehlen ebenfalls. Außerdem ist der Wunsch nach mehr Dezentralisierung da. Um das Stadtamt zu entlasten würde er gerne wieder einige Verwaltungsaufgaben im Ortsamt übernehmen. Sein Kollege Gernot Neumann-Mahlkau im benachbarten Ortsamt Borgfeld sieht das ähnlich: Gerade für Senioren wäre es eine Erleichterung, wenn sie ihren Ausweis im Stadtteil verlängern lassen könnten und nicht in die City fahren müssten. Durch notgedrungenes Pendeln in Richtung Innenstadt ergebe sich nämlich ein weiteres Problem: Staus auf der Hauptverkehrsader in Richtung Borgfeld, ergänzte der Beiratssprecher Karl-Heinz Bramsiepe. Familien mit Kindern gibt es im Stadtteil viele, was dagegen fehlt sind Kita-Plätze im U3-Bereich.
 

 
Am „Runden Tisch Flüchtlinge“ in Borgfeld wünschen sich die Ehrenamtlichen eine hauptamtliche Stelle für die Flüchtlingskoordination. Ich begrüße das Engagement sehr und sehe die Notwendigkeit für feste Strukturen. Auch wenn zurzeit weniger Menschen zu uns kommen wäre es kurzsichtig, Hilfestrukturen nicht weiter zu erhalten. Fluchtursachen haben sich nicht aufgelöst, es ist nur eine Frage der Zeit, bis erneut Menschen Zuflucht in unserem Land und in Bremen suchen werden.
Bisher stemmten in Borgfeld Lea Böhme, Katharina Mild und weitere Helfer die Integrationsaufgaben. Sie organisierten Sprachkurse, eine Praktikumsbörse, ein internationales Café und brachten Freiwillige, Einrichtungen und die unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten zusammen. Die Ehrenamtlichen wünschen sich eine feste Perspektive, um das Netzwerk weiter ausbauen zu können.
 

 
In der Bremer Heimstiftung führt mich die Leiterin Ute Büge durch das Stiftungsdorf. Mir gefällt das Miteinander der Generationen: Senioren, Kinder und Studenten leben auf dem Areal und profitieren von den Angeboten.
Das Freizi Borgfeld ist Anlaufpunkt für immer jüngere Kinder. Durch das Ganztagsschulsystem drücken die Teenager bis weit in den Nachmittag die Schulbank, deshalb ist die Stammkundschaft zwischen acht und dreizehn Jahren jung, die an vier Nachmittagen zu dem vierköpfigen Team um Leiterin Claudia Ribken kommt. Positiv ist, dass das Quartett schon seit vielen Jahren Kontinuität bietet, das soll möglichst noch viele Jahre so bleiben.
 

 
Träger des Jugendzentrums Sasu in Oberneuland ist ein Bürgerverein. Der Treffpunkt ist im Stadtteil extrem wichtig, weil die Bus- und Bahnverbindungen bis in die City schlecht sind und es wenige Spielplätze gibt, erklärt die Leiterin der Einrichtung, Carina Albers. Aliny ist eine von zwei Engagierten vom Bundesfreiwilligendienst im Sasu. Als Sprecherin des Jugendbeirates setzt sie sich dafür ein, dass das Gremium wächst und Dinge bewegt. Ihr Wunsch ist ein lebhafterer und besserer Politikunterricht an den Schulen, der Jugendlichen auch Wege aufzeigt, wie und wo sie sich engagieren und ihre Interessen durchsetztem können. Ich bin ganz ihrer Meinung. Die Grundlagen für demokratische Strukturen werden an den Schulen gelegt, deshalb ist ein aktueller und engagierter Politikunterricht wichtig.
 
Spannend war auch der Besuch am Lehr- und Schaubienenstand. Der Vereinsvorsitzende August-Wilhelm Schinkel berichtet von einem Mitgliederzuwachs im Imkerverein Bremen. Schön, dass auch viele junge Leute sich für die summenden Völker interessieren. Als Norddeutschlands größte Interessenvertretung ihrer Art leistet sie hervorragende Arbeit im Bereich Ökologie und Lehre. Viele Kita- und Schulkinder lernen dort das ABC um Honig, Biene und Co. an dem außerschulischen Lernort im Grünen.
 

 
Eine lebhafte Diskussion zur Situation der SPD mit den Mitgliedern der Ortsvereine Borgfeld, Horn-Achterdiek, Horn-Lehesterdeich und Oberneuland rundete den Stadtteiltag ab.