„Riester & Co Unter Druck – Perspektiven für die Altersvorsorge“ in der Arbeitsgruppe Verbraucherpolitik

V.l.n.r. Hermann-Josef Tenhagen, Dorothea Mohn, Sarah Ryglewski

Die erste thematische Sitzung der Arbeitsgruppe Verbraucherpolitik in der SPD-Bundestagsfraktion war ein guter Auftakt: Gemeinsam mit Dorothea Mohn vom Bundesverband Verbraucherzentrale (vzbv) und Hermann-Josef Tenhagen von finanztip.de diskutierten wir darüber, was im heutigen System der Altersvorsorge schief läuft und welche Perspektive ein Non-Profit-Vorsorgefonds bieten würde.

Die Debatte hat gezeigt, wie sehr die Defizite in der privaten Altersvorsorge unter den Nägeln brennen. Klar ist, die gesetzliche Rente muss im Mittelpunkt stehen und ein gutes Leben im Alter ermöglichen. Aber, wer zusätzlich privat vorsorgen möchte, muss dafür ein gutes Angebot haben. Die Riester-Rente, mit der dieses Ziel erreicht werden sollte, hat die Erwartungen nicht erfüllt. Viele sehen Riester als Geschenk an die Versicherungsbranche und nicht als Beitrag zu guten Renten. 

Die Sprecherinnen der AG Verbraucherpolitik mit den Gästen der ersten Sitzung zur Altersvorsorge. V.l.n.r. Hermann-Josef Tenhagen, Sarah Ryglewski, Dorothea Mohn, Ursula Schulte (stv. Sprecherin)
Hier besteht Handlungsbedarf! Wer möchte, dass die Menschen privat vorsorgen, ist auch in der Verantwortung dafür, brauchbare Instrumente zu schaffen. Es ist unser Erfolg, dass wir den „Standard-Riester“ in den Koalitionsvertrag hineinverhandelt haben. Wir brauchen einen großen Wurf, um all denen, die privat vorsorgen wollen, ein überzeugendes Angebot zu machen. 
 

Die Antwort der Verbraucherzentralen ist der Non-Profit-Vorsorgefonds, den Dorothea Mohn vorstellte. Wie in schwedischen Bürgerfonds soll jeder langfristig und zu sehr geringen Kosten breit gestreut in Aktien anlegen können. Dadurch, so die Erwartung, wären ordentliche Renditen für alle erreichbar –  ein großer Vertriebsapparat, der teuer und ineffizient ist, wäre nicht nötig.

Hermann-Josef Tenhagen präsentierte Befunde aus seiner journalistischen Arbeit. Im letzten Jahr wurden die Ratgeber zur betrieblichen Altersvorsorge und zur Riester-Rente auf finanztip.de knapp 1 Millionen Mal aufgerufen. Das Interesse und der Informationsbedarf sind also enorm. Ein wichtiger erster Schritt sei es deshalb, die Altersvorsorge zu vereinfachen. Außerdem bräuchte es endlich eine Grundrente, um das drängende Problem der Altersarmut zu lösen. Dabei soll jeder, der lange genug gearbeitet hat, eine Sockelrente erhalten, die nach den Plänen von Arbeitsminister Hubertus Heil 10 Prozent über dem regionalen Grundsicherungsniveau liegen wird.
 

In der Diskussion: Reformbedarf in der Altersvorsorge
In der Diskussion wurde deutlich, dass es keinen Gegensatz zwischen Gesetzlicher Rente und Verbesserungen in der zusätzlichen Altersvorsorge geben darf. Hohe Priorität muss die Schaffung einer Erwerbstätigenversicherung haben, in die alle einzahlen. Der Handlungsbedarf in der privaten Altersvorsorge ist riesengroß. Nun ist es an der Zeit, dass wir die Debatte über konkrete Reformoptionen intensivieren.

28.09.2018