Festwoche "100 Jahre Frauenwahlrecht"

Die Parlamentarierinnen der SPD-Bundestagsfraktion.

Am 19. Januar 1919 durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen. Dieses besondere Jubiläum haben wir natürlich auch im Bundestag gefeiert. Gemeinsam gedachten wir am vergangenen Donnerstag in einer Feierstunde im Plenarsaal dem Mut, den vor allem Sozialdemokratinnen bewiesen, um zu erkämpfen, was uns Frauen zusteht – Beteiligung und Mitsprache.

Für die Vorkämpferinnen war es ein jahreslanges, zähes Ringen. Sie mussten viel aushalten. So lösten die Worte „Meine Herren und Damen“ der Sozialdemokratin Marie Juchacz 1919 missbilligendes Gelächter aus. In Erinnerung an diese beeindruckende Frau, die auch Gründerin der AWO war, verleiht die SPD-Fraktion am Montag, 18. Februar, einmalig den Marie Juchacz-Preis zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht. Neue Zeiten. Neue Ideen. Wir machen mobil“. Ausgezeichnet werden in einem Kreativwettbewerb für 16- bis 27-jährige zukunftsweisende frauenpolitische Reden, ausgehend von der Frage, was Marie Juchacz heute einfordern würde. Ebenfalls ausgezeichnet werden in einem Engagementwettbewerb zivilgesellschaftliche Initiativen und Projekte, die die politische Beteiligung von Frauen voranbringen.
 

Weiße Blusen als Erinnerung an die Vorkämpferinnen, die vor 100 Jahren ebenfalls Weiß trugen, um sich von den männlichen, vorwiegend schwarz gekleideten Abgeordneten, abzuheben.

Trotz der Freude über das bisher erreichte, ist der 19. Januar aber auch ein Tag zum Nachdenken. Die Beteiligung von Frauen an allen gesellschaftlichen Prozessen ist noch immer keine Selbstverständlichkeit. Am 18. März begehen wir erneut den Equal-Pay-Day, der symbolisch die Anzahl der Tage markiert, die Frauen umsonst im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen arbeiten. Natürlich können wir auch auf viele Fortschritte zurückschauen. Dennoch geht der Kampf weiter für Gleichstellung, Parität und gleiche Bezahlung.
 

Vor 100 Jahren und heute: Die weiblichen Abgeordneten der SPD-Bundestagsfraktion.

Noch immer sind Frauen in der Minderheit, wenn man auf Spitzenpositionen, in Parlamente und Vorstände schaut. Derzeit sind 31 Prozent der Abgeordneten im Bundestag weiblich. So gering war der Anteil zuletzt nach der Bundestagswahl 1998. Die SPD kämpft für einen Bundestag, der je zur Hälfte aus Männern und Frauen besteht und damit ein klares Signal an die Länderparlamente und Stadt- und Gemeinderäte sendet. Die Repräsentanz von Frauen in den Parlamenten muss eine der zentralen Fragen bei der anstehenden Wahlrechtsreform sein.

19.1.2019