Mehr Transparenz für nachhaltige Geldanlagen

Auf dem Podium mit Andreas Enke von VenGa, Anke Behn von der Verbraucherzentrale Bremen und dem Moderator Christian Teevs. (v.l.)

Für viele Menschen sind nachhaltige Finanzanlagen interessant, genutzt werden sie bisher jedoch nur von wenigen. Im Rahmen der Veranstaltung "Gutes Geld - Wie kann unser Geld ethisch und nachhaltig wirken?" des FES-Julius-Leber-Forums diskutierte ich die Gründe für die Zurückhaltung und mögliche Lösungen mit Anke Behn von der Verbraucherzentrale Bremen und Andreas Enke von VenGa, einem Verein zur Förderung ethisch-nachhaltiger Geldanlagen.

Was ist eine nachhaltige Geldanlage? Warum sind gerade einmal drei Prozent der privaten Geldanlagen nach ethischen und nachhaltigen Kriterien angelegt, obwohl 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich daran interessiert sind? Diese und weitere Fragen diskutierte ich mit den Vertreterinnen und Vertretern der Verbraucherzentrale Bremen, dem Verein VenGa und dem Publikum. Bei genauerer Betrachtung des Finanzmarktes ist festzustellen – nachhaltige Investments sind noch zu wenig etabliert. Es fehlen klare Kriterien, der Markt unterliegt wenig Institutionalisierungen und festen Rahmenbedingungen. Auf europäischer Ebene wird derzeit ein Kriterienkatalog für nachhaltiges Wirtschaften erarbeitet. Ziel ist es, Geldanlagen europaweit transparenter zu gestalten und Impulse für das Wachstum und die Qualitätssicherung nachhaltiger Geldanlagen zu setzen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Die Menschen interessieren sich für nachhaltige Geldanlagen, es besteht jedoch eine große Unsicherheit, weil die Beratungen seitens der Banken und Finanzanbieter nicht darauf ausgerichtet sind. Ab dem kommenden Jahr wird es zumindest die Verpflichtung geben, im Rahmen der Beratung abzufragen, ob die Kundinnen und Kunden ihr Geld in nachhaltige Anlagen investieren möchten. Ein wichtiger Schritt, dem weitere folgen müssen. Auf dem Podium waren wir uns einig darüber, dass es Mindeststandards für entsprechende Finanzprodukte geben muss. Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass Ausschlusskriterien greifen und ihr Geld nicht Kinderarbeit, Atomkraft und Waffenindustrie unterstützt. Wortmeldungen aus dem Publikum machten deutlich, wie komplex das Thema Nachhaltigkeit bei Finanzprodukten ist und wie individuell die jeweiligen Vorstellungen von Nachhaltigkeit sind. Der qualifizierten Beratung kommt daher eine Schlüsselrolle zu. Grundsätzlich gilt: Ein Finanzprodukt muss zum Kunden oder zur Kundin und zu seiner bzw. ihrer Lebens- und Finanzsituation passen. Er oder sie muss sich damit wohl fühlen und das Gefühl haben, guten Gewissens investiert zu haben.

Die Veranstaltung hat gezeigt, wie herausfordernd der Bereich finanzieller Verbraucherschutz auch zukünftig sein wird. Das Bewusstsein für faire Geldanlagen ist da. Als SPD haben wir uns mit dem Finanzmarktnovellierungsgesetz bereits für mehr Schutz von Kleinanlegern durch höhere Transparenz und die Bekämpfung von Marktmissbrauch eingesetzt. Des Weiteren haben wir durch das Kleinanlegerschutzgesetz den sogenannten „Grauen Kapitalmarkt“ reguliert und schützen Menschen vor unseriösen Finanzprodukten. Zukünftig werden wir uns für noch mehr Informationspflicht bei Finanzprodukten einsetzen. Dank der gesetzlichen Regulierungen hat die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) mehr Befugnisse bekommen und kann schneller gegen schwarze Schafe in der Branche vorgehen.

21.06.2019