Digitalisierung nachhaltig denken

19.11.2019 - Wie können Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammengedacht werden? Im Rahmen der Digitalkonferenz think.beta 19 diskutierte ich mit Frederike Oberheim (Fridays for Future), Dr. Wolfgang Faisst (Head of S/4 NEXT - Next Generation Business Processes & Practices SAP Intelligent ERP) und Moderator Prof. Jörg Müller-Lietzkow (Präsident, HafenCity Universität Hamburg sowie Sprecher, cnetz) darüber, wie die Klimakrise uns zum Umdenken zwingt.
 

Alle Gesprächspartner waren sich darin einig, dass eine Diskussion über Digitalisierung mit einer Ambivalenz einhergeht. Sie bedeutet einen massiv steigenden Energieverbrauch, weil technische Geräte permanent Daten senden, empfangen und generieren müssen. Es muss gelingen, diesen Bedarf über grünen Strom zu decken.

Andererseits bedeutet die Digitalisierung eine Chance für die deutsche Wirtschaft und die Bekämpfung des Klimawandels. Die Technologie hilft, klimafreundliche Verfahren zu entwickeln. Neben CO2-armen Mobilitätsalternativen brauchen wir energieeffizientes Wohnen, klimaneutrale Lebensmittel und eine digitale und moderne Verwaltung. Deshalb will die SPD Unternehmen fördern, die an ressourcenschonenden Lösungen für mehr Nachhaltigkeit in diversen Feldern forschen. 5 Mrd. Euro sollen gezielt in die Innovationfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen investiert werden, um ihre Forschungstätigkeit zu unterstützen.

Es ist mir wichtig, dass die nachhaltige Entwicklung und Digitalisierung gerecht und sozial verträglich ablaufen. Wir wollen möglichst viele Menschen erreichen und für einen Bewusstseinswandel sorgen. Als SPD setzen wir auf Qualifizierung der Mitarbeiter, wollen Chancen zur Teilhabe schaffen. Es geht darum, Sicherheit im Wandel in der Arbeitswelt herzustellen und Veränderungsprozesse so zu organisieren, dass niemand Angst vor der Zukunft haben muss. Ein Instrument dafür ist beispielsweise das „Chancenkonto“, mit dem auch ältere Menschen fortgebildet und für die Digitalisierung fit gemacht werden könnten.

Verbraucherschutz und Datenschutz bekommen im Zeitalter der Digitalisierung eine noch größere Bedeutung. Es stellt sich die Frage, wie sich künftig gewährleisten lässt, dass das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung im Zuge der Digitalisierung effektiv verwirklicht werden kann, da immer mehr Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen auf der Verarbeitung von personenbezogenen Daten basieren. Im Bereich finanzieller Verbraucherschutz braucht es mehr Transparenz, etwa wenn es um nachhaltige Geldanlagen geht. Zudem wird es Steueranreize für die Anschaffung grüner und ressourcensparender Technologien geben.

Wir werden die Digitalisierung nicht zu 100 Prozent staatlich vororganisieren können, aber wir müssen die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Die SPD ist in der Bundesregierung die treibende Kraft hinter den Investitionsanstrengungen und wenn es darum geht, den Menschen in diesem Land die nötige Sicherheit in Zeiten des rasanten Wandels zu geben. Wir müssen den flächendeckenden Ausbau der 5G-Technik, das öffentliche WLAN und die Digitalisierung der Verwaltung und Kommunen vorantreiben, um moderne Arbeitsbedingungen zu schaffen.