Debatte um vorgeburtliche Bluttests

In dieser Woche hat der Deutsche Bundestag erstmals über die Anwendung sogenannter pränataler, also vorgeburtlicher, genetischer Bluttests debattiert. In dieser Orientierungsdebatte begleitet der Deutsche Bundestag den medizinisch-technischen Fortschritt gesellschaftspolitisch.

Ich möchte nicht, dass der vorgeburtliche genetische Bluttest zur Standartdiagnostik bei Schwangerschaften wird. Bei sogenannten Risikoschwangerschaften, bei denen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Trisomien besteht, sehe ich das anders. Hier zahlt die Krankenkasse bisher schon die risikoreichere Fruchtwasseruntersuchung. Der Test wäre die schonendere Alternative.

Uns allen muss aber klar sein, dass dieser Bluttest erst der Anfang dessen ist, was bald medizinisch möglich sein wird. Bald wissen wir schon vor der Geburt sehr viel über den Verlauf des Lebens eines Kindes. Die Frage ist, wollen wir das alles wissen und wie verhindern wir, dass Eltern sich gezwungen fühlen solche Tests durchzuführen? Ich sehe große Gefahren darin, dass sich die gesellschaftliche Debatte verschiebt.

Jeder hat ein Recht auf Nichtwissen und keinesfalls dürfen Eltern sich gedrängt fühlen, ein Kind abzutreiben, was nicht der vermeintlichen Norm entspricht. Diese Tendenz gibt es jetzt schon. Das Eltern mit einem Kind mit Down-Syndrom gefragt werden, „ob man das nicht hätte verhindern können“, ist nicht akzeptabel.

Deswegen brauchen wir Frauenärztinnen und -ärzte, die sensibel über mögliche Erkrankungen und Testmöglichkeiten aufklären, aber auch akzeptieren, wenn sich Eltern dagegen entscheiden. Außerdem dürfen Familien nach dem Test nicht alleine gelassen werden. Es braucht gute Beratung und mehr Aufklärung darüber, was das Leben mit Down-Syndrom für diese Menschen und ihre Familien bedeutet und welche Unterstützung es gibt. Auch Kontakt zu Eltern, die ein Kind mit Down-Syndrom haben, kann hilfreich sein. Es ist wichtig, dass wir auch zukünftig über dieses Thema debattieren.

Auf buten un binnen finden sich dazu mein Statement sowie das, der anderen Bremer Bundestagsabgeordneten.

11.4.2019