Besuch bei OHB Bremen

09.11.2020 – Gemeinsam mit Christa Fuchs, OHB-Aufsichtsratsmitglied, dem Vorstandsvorsitzenden Marco Fuchs und Sabine von der Recke, Beauftragte des OHB-Vorstands für Politik- und Regierungsangelegenheiten, habe ich mich über die europäische Ausschreibung der zweiten Generation von Galileo-Satelliten ausgetauscht.

Seit 2016 hat Europa mit Galileo sein eigenes Satelliten-Navigationssystem. Die Satelliten senden weltweit Signale zur genauen Positionsbestimmung für Smartphones oder Navigationsgeräte. Zudem können die Signale auch durch Such- und Rettungsdienste in der See- und Luftfahrt empfangen werden. Galileo ist das erste rein zivile Navigationssystem und soll dem US-amerikanischen GPS, mit dem derzeit noch viele navigieren, nicht nur Konkurrenz machen, sondern es auch ergänzen. Das Galileo-System macht Europa somit unabhängiger von dem militärisch kontrollierten GPS-System und die Satellitennavigation bleibt auch in Krisenzeiten einsatzfähig.

Bisheriger Hauptauftragnehmer für die Entwicklung und den Bau der Satelliten ist OHB aus Bremen. OHB ist eines der führenden Raumfahrtunternehmen in Europa und verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung im Raumfahrtgeschäft. Dazu zählen u.a. kleine und mittelgroße Satelliten für Erdbeobachtung, Navigation, Telekommunikation, Wissenschaft und Exploration des Weltraums, wie auch Systeme für die astronautische Raumfahrt. Für das Galileo-System wurde OHB in drei Ausschreibungsrunden von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) mit Entwicklung, Bau und Test von insgesamt 34 Galileo-Satelliten beauftragt. 22 Satelliten befinden sich aktuell im Weltraum, 12 weitere Satelliten sind in der Produktion. OHB hat maßgeblich am Aufbau des Galileo-Systems mitgewirkt und ist Teil der Erfolgsstory.

Im Jahr 2018 haben die Europäische Kommission und die Europäische Weltraumorganisation mit der Ausschreibung für die Galileo-Satelliten der zweiten Generation (G2G) begonnen. Die zweite Generation der Satelliten soll eine höhere Genauigkeit für Smartphones liefern, besser zu empfangen sein und weitere Dienste wie einen Katastrophenwarndienst bieten. Neu bei der Ausschreibung ist, dass die Aufträge für die Satelliten der zweiten Generation im „Dual Sourcing“-Verfahren vergeben werden. Künftig werden zwei Anbieter mit gleichlautenden Arbeitspaketen einen Zuschlag für je zwei Satelliten zu Entwicklungszwecken und einer Option für den Bau von zwölf Satelliten erhalten.  Das Dual Sourcing soll dabei eine Monopolstellung verhindern, den Wettbewerb forcieren und Risiken minimieren. Die Vergabe soll bis Januar 2021 erfolgen.

Galileo ist die wichtigste Infrastruktur, die Europa im Erdorbit hat. Dass ein Großteil der bereits beauftragten und sich im Orbit befindlichen Satelliten in Bremen produziert wurden, beweist einmal mehr, dass Bremen ein bedeutender Standort für die Luft- und Raumfahrtindustrie ist, an welchem sich die ganze Bandbreite der deutschen Raumfahrt zeigt.