Besuch im Bremer LidiceHaus

Sarah Ryglewski mit Lea Güse, Bildungsreferentin im kommenden AkriBa Projekt, Arne Jahns, Bildungsreferent im kommenden AkriBa Projekt, Lisa Hempel, Bildungsreferentin und Leiterin der Fachstelle Rechtsextremismus und Familie des LidiceHauses

22.01.2020 - Am 22. Januar traf ich mich zu einem Gespräch mit den Referenten der Jugendbildungsstätte des LidiceHauses Lea Güse, Lisa Hempel und Arne Jahns. Gegenstand des Gesprächs war das Modellprojekt „AkriBa – Antisemitismuskritische Bildungsarbeit“, das zum Ziel hat, antisemitismuskritische Haltung und Handlungskompetenz zu fördern.

Es richtet sich sowohl an Jugendliche als auch an Fachkräfte wie Lehrerinnen und Lehrer und Multiplikatoren. Das Themenfeld Antisemitismus wird vom LidiceHaus seit 2012 behandelt und ist in der letzten Zeit stärker in den Vordergrund gerückt. Die Notwendigkeit dafür wird auch daran deutlich, dass es zunehmend Anfragen von Schulen bzw. Lehrern nach Beratung und Fortbildung im Umgang mit antisemitischen Äußerungen und Handlungen gibt.

Bestandteil des Projekts AkriBa ist die Entwicklung eines Peer-to-Peer-Konzepts, mit dem Jugendliche befähigt werden sollen, mit anderen Jugendlichen über das Themenfeld Antisemitismus zu sprechen und antisemitismuskritische Positionen zu entwickeln. Eine Schülergruppe des Hermann-Böse-Gymnasiums beschäftigt sich beispielsweise mit der Geschichte des Antisemitismus. Die Schüler werden zu #Peers ausgebildet und können als Multiplikatoren an andere Schulen gehen.

Darüber hinaus ist ein neues Modul geplant: Hierfür wird zurzeit ein Netzwerk in Bremen aufgebaut, dessen Ziel es u.a. ist, jüdisches Leben und jüdische Perspektiven in Bremen sichtbar zu machen und zu zeigen, dass das Judentum sehr heterogen ist. So gibt es Kontakte zur jüdischen Gemeinde, und zum Fan-Projekt von Werder Bremen. Anhänger des SV Werder Bremen erforschen die jüdischen Geschichte ihre Vereins, dessen mehrmaliger Präsident Alfred Ries von den Nazis verfolgt wurde.

Die öffentliche Förderung von Projekten wie dem LidiceHaus ist wichtig. Bisher werden Präventionsprojekte jedoch zeitlich nur begrenzt gefördert. Mehr als 5.000 Demokratieprojekte sollen ab diesem Jahr umgesetzt werden. 115,5 Millionen Euro gibt der Bund dafür jährlich aus. Die SPD setzt sich nun dafür ein, dass die Förderung solcher Projekte anhand eines Demokratiefördergesetzes dauerhaft und nicht mehr zeitlich begrenzt stattfinden kann.

Neben dem Staat kommt der Gesellschaft heute mehr denn je eine zentrale Rolle im Kampf gegen Extremismus und Antisemitismus zu. Daher braucht es die Unterstützung der Menschen, die vor Ort Hass und Menschenfeindlichkeit entgegentreten. Menschen die sich gegen Ausgrenzung und für Demokratie und Vielfalt einsetzen, werden nicht selten angriffen und müssen geschützt werden. Diesen Schutz kann der Staat auch über eine langfristig gesicherte Mittelzuweisung sicherstellen. Es braucht aber beides: Einerseits konsequente Strafverfolgung und null Toleranz für rechtsextreme und antisemitische Angriffe. Andererseits die Unterstützung und den Schutz für die Menschen, die vor Ort Hass und Menschenfeindlichkeit entgegentreten. Dafür setze ich mich ein.

Ich danke dem engagierten Team für das offene und informative Gespräch und verspreche, das LidiceHaus weiterhin mit aller Kraft zu unterstützen.